Wie geht es mit unserem Projekt im Bereich Anbau voran?

Eine bestehende Anlage in ein Permakulturprojekt umwandeln ist nicht einfach. Handelt es sich dabei doch um Gewächshäuser mit bestehenden Pflanzungen, so wird alles noch um ein Vielfaches komplexer.

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Oktober – Dezember 2019
Jäten – pflegen – ernten – verarbeiten (noch alles auf freiwilliger Basis). Wir schaffen es kaum. Zwei Personen Teilzeit ist zu wenig für diese Anlage. Ein ca. 700m2 grosses reifes Chilifeld muss von einer Kletterpflanze befreit werden. Danach ernten wir die Schoten und bringen sie in die Dörranlage.
Mitarbeiter suchen, Vorstellungsgespräche, Früchte ernten (ca. 80 Kilo Papaya pro Woche, Sternfrüchte Guaven, Bananen etc.) und Verarbeiten, Unterhalt und viele Stunden Einführung in die Betriebstechnik.
Am 3. Dezember wechselte das Tropenhaus seine Besitzer. Vorher musste noch die AG gegründet werden mit dem offiziellen Eintrag ins Handelsregisteramt.
Ende Dezember die erste grössere Aktion: Die Fischbecken wurden endgültig geleert.
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Januar – Februar 2020
Die ersten Angestellten fangen an und alles steht unter dem Thema Eröffnung. Wir haben 260 Stellenprozent für den Garten zur Verfügung.
Die Bäume im Haupthaus müssen geschnitten werden. Uns hilft ein Baumpfleger  - zum Glück – nicht alle sind schwindelfrei und können auch kopfüber Bäume schneiden.
Im Produktionshaus roden wir eine alte Papayaanlage und setzen die ersten Pflanzen. Ein grosses Thema ist die Bewässerung. Bei jedem neuen Feld müssen die Schläuche neu verlegt werden. Bei dem vorgefundenen Bewässerungstyp hat es immer wieder sehr trockene Bereiche und folglich findet hier auch kein guter Humusaufbau statt. Mulchen geht auch nicht, weil man dann ungewollt auf die zugedeckten Bewässerungsschläuche tritt.
Eine halbtägige Schulung am Computer folgte: Bewässerung, Heizung und Lüftung werden digital gesteuert. Der Einfachheit halber wünschen wir uns für die Bewässerung eine Tabelle.
Im Erlebnishaus war eine Dachwasserleitung undicht und es brauchte einige Anläufe bis die Ursache gefunden wurde.
Immer wieder Generator Fehlalarm zu jeder Tages- und Nachtzeit.
Absenkung der Mindesttemperatur im Produktionshaus um 1 Grad. Das Ziel sind insgesamt 3 Grad Absenkung, um die Heizkosten zu minimieren.
Wir müssen noch Offerten für die Schirme und die UV- Lampe im Erlebnishaus einholen.
Ganz ohne Wasserfläche können wir uns das Haupthaus auch nicht vorstellen. Wir planen einen neuen Teich und zusätzlich werden überall neue Pflanzen eingesetzt.
Ab Mitte Januar ist die Küche besetzt und im Februar fängt ein Teil des Servicepersonals an.
Im Erlebnishaus entstehen die ersten Komposthaufen.
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Eröffnung unter dem Einfluss von Corona
Am 28. Februar abends erhalten wir die Erlaubnis vom Kanton Luzern, dass unser Eröffnungsfest vom 29. Feb. wie geplant stattfinden kann.
Es war ein voller Erfolg.
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Corona
Wir machen die ersten Führungen durch unsere Anlagen.
Knappe 2 Wochen nach dem Eröffnungsfest mussten wir das Restaurant und den Erlebnisgarten schliessen, Kurzarbeitsanträge ausfüllen und jetzt...
Woche 12
Wir haben reife Früchte, viel Gemüse und Salate.
Wie lange dauert dieser Zustand? Müssen wir einen neuen Absatzmarkt eröffnen? Welche Arbeiten stehen an? Wir fangen an zu planen. Als erster Schritt eröffnen wir im Produktionshaus einen Hofladen. Dies klappt schon bald recht gut. Aber dann war fertig mit dem geplanten Ablauf. Die Bewässerung funktioniert nicht richtig und der eine Aussen-Regenwassertank weist einen Wasserstand von nur 1m auf. Sicher war es deshalb keine unnötige Arbeit, alle Dachzuläufe zu reinigen. Aber sie waren nicht die Ursache. Also, weitersuchen. Wasser ablassen und nach Löchern in der Folie suchen war der logische Folgeschritt. Löcher fanden wir, aber erst bei der Kontrolle der Fischbeckenfolien. Der Regenwassertank hatte keine, ist aber immer noch nicht dicht.
Und wir fanden heraus, dass beim oberen Tank kein Wasser in die Bewässeranlage floss, weil der  Schwimmer blockiert war.
Unglaublich wie viel Zeit diese Arbeiten benötigen!
Unsere Köche und das Servicepersonal sind auf Kurzarbeit. Die Geschäftsleitung und die Gärtner sind noch vor Ort im Volleinsatz.
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Woche 15
Abschied von unserem ersten Gärtner. Er muss in den Zivildienst.
Kurz vor seinem Austritt fand er noch die Ursache des Lecks im Aussen-Regenwassertanks: Rund um das Abflussrohr im Tank war die Folie nicht dicht. Dank schönstem Wetter konnte noch eine Silikonabdichtung eingebaut werden.
Er übergab dem zurückbleibenden Gärtnerteam mit einer umfassenden  Anleitung die Bedienung und Handhabung der Beschattungsschirme und der Bewässerungsanlage.
Wir verabschieden ihn bei einem Mittagessen aus unseren hauseigenen Produkten: Es gibt zwei verschiedene Sorten Pasta: Einmal mit Kaffirlimetten und einmal mit Zitronengras verfeinert. Dazu 3 Sorten hauskreierte Pestos.
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Woche 16
Heute konnten wir wieder einen Bagger ausleihen.
Es kam die Anfrage einer Hochzeitsgesellschaft den Apero draussen geniessen zu können. Draussen bedeutet bei uns die Fläche mit Kinderspielplatz vor dem Erlebnishaus. Und die gilt es nun mit einfachen Mitteln zu verschönern. Wir verpflanzten Bäume aus den beiden vorhandenen Baumgruppen so, dass eine lockere Bepflanzung auf fast dem gesamten Platz genügend Schatten spendet. Zwei Tage baggern und jetzt giessen. Es hat sich gelohnt. Wir planen hier noch einen Naschgarten und wollen entlang des Zaunes noch Beeren und Wildtomaten pflanzen.
Im Laden kann man neu getrockneten Galgant, Chilli und verschiedene Kräuter kaufen.
Wir haben die Temperatur im Produktionshaus jetzt insgesamt um 3 Grad reduziert.

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Woche 17
Die Kaffirlimettenplantage wird gelichtet und einige der herausgenommenen schöneren Exponate für den Verkauf eingetopft. Die Wege zwischen den Reihen können gemulcht werden, da die Bewässerungsrohre entlang der Kaffirlimetten-Gewächsreihen verlaufen.
Interessante Beobachtung: Warum sind einige Felder nass, die zur fraglichen Zeit gar nicht im Bewässerungszeitplan vorgesehen waren und andere trocken, die nass sein sollten?
Der schwimmende Gräserbewuchs auf der Deckfolie der Aussen-Regenwasserbecken wird entfernt.
Zwei neue Teemischungen entstanden und ein Erdhang oben bei den Fischbecken ist abgerutscht. Er war zu nass. Zum Glück haben wir den Bagger noch. Warum floss aus einer Leitung in der Nähe Wasser aus?
Wir machen einen Versuch mit einer neuen Bewässerungsart und sind zufrieden. Sie wird manuell gesteuert und nässt flächendeckend. Wir haben den gewünschten durchgehend nassen Boden und können jetzt auch Mulchen.

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Woche 18
Am Montag war der Bagger immer noch hier und wir fingen mit einem unserer Projekte an: Aushub für den geplanten Teich im Produktions-Haus. Der Plan für den angrenzenden Holzplatz wurde aufgezeichnet und endlich können wir an den Gemüsegarten. Wir vermehren einige Sorten über Stecklinge. Interessanterweise ist die Nachfrage nach exotischen Pflanzen mindestens ebenso gross wie nach Kräutern und Gemüsen. Der Currybaum ist einer der Renner.
Die Krötenjungen aus den Fischbecken werden nach draussen gebracht.
Unser neuer Gärtner fängt an. Heute wird der Bagger abgeholt.
Die Yamswurzeln sind angekommen.

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Woche 19
Und was ist mit der Umsetzung der Permakulturleitideen?
Hier noch mal die Definition: Permakultur will mithelfen, die Lebensgrundlagen der Menschen dauerhaft zu sichern: Ökologisch - Sozial - Ökonomisch.
Der Garten sieht noch nicht so aus, wie man sich eine klassische Permakulturanlage vorstellt. Noch ist viel vom alten Pflanzbestand vorhanden und dieser prägt das Bild.  Wie sieht es mit den anderen Bereichen aus?
Zum Beispiel im sozialen: Wir haben ein lebendiges Team, das gut zusammenarbeitet. Es denkt mit und viele gute Ideen stammen von ihm. Wir können uns auch sehr auf die einzelnen Teammitglieder verlassen, wenn es um das Bewältigen von neuen Situationen geht.
Ökonomisch sieht es auch nicht schlecht aus. Wir haben langsam die Bewässerung im Griff und durch das Absenken der Temperatur um 3° können wir einiges an Heizungskosten sparen. Die Regenwassertank sollten jetzt funktionieren.
Draussen und Drinnen fördern wir die Biodiversität mit Blühpflanzen und wir stellen fest, dass sich die Insekten vermehren.
Im Erlebnishaus läuft der erste Versuch mit zusätzlichen Tieren. Wir haben zwei verschiedene Sorten Tausendfüssler gekauft. Sie leben bei den Altholzhaufen. Durch die Verarbeitung von Altholz entsteht wieder neues Bodensubstrat.
Nun gehen wir an die Gemüsebeete und machen einen Versuch mit Yamswurzeln. Unser Produktionshaus verfügt über ideale Temperaturen für die Kultivierung der Lichtwurzel.Wie geht es mit unserem Projekt im Bereich Anbau voran?
Eine bestehende Anlage in ein Permakulturprojekt umwandeln ist nicht einfach. Handelt es sich dabei doch um Gewächshäuser mit bestehenden Pflanzungen, so wird alles noch um ein Vielfaches komplexer.
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